Absturz in Slowenien und Feuer in Zagreb

Mahlzeit.

Ich war noch den zweiten Teil des Reiseberichts schuldig, was hiermit nachgeliefert wird. Wer den ersten Teil nicht kennt, wird hier fündig.

Nachdem die italienische Sonne genossen wurde, sollte es am Freitag mit Padova Calcio gegen Ancona weiter gehen. Leider hatte der italienische Verband da spontan andere Pläne und schob das Spiel auf Montag, den 24.4. Sehr ärgerlich, da Padova als Drittligist ein absurd großes Stadion hat, das ich mir gern mal unter Flutlicht angeschaut hätte. So musste spontan umgeplant werden und statt Padova hieß der Gastgeber nun Radomlje. Einen Tag früher in Slowenien als gedacht, wurde die malerische Hauptstadt Ljubljana abgecheckt. Osten halt, aber ein paar nette Sachen gibt es. Vorher sollte auf jeden Fall der Impfstatus bezüglich Tetanus geklärt sein.

Am Abend ging es in den Sportni Park Domzale, in dem der Verein aus Radomlje spielt, da ihr eigenes Stadion zu klein ist. IMG_9097

Ich möchte gar nicht wissen, was die in Radomlje für ein Stadion haben, denn die Hütte in Domzale bietet ebenfalls nur Platz für knapp 2.900 Leute. Auf Grund der geringen Kapazität bin ich extra etwas früher hin, da bei einem Erstligaspiel ein Stadion mit weniger als Dreitausend Plätzen doch als recht knapp erscheint. Machen wir es kurz, ich hätte noch 2.500 Freunde mitbringen können. Den Kick gegen Gorica wollten tatsächlich nur 150 Leute sehen. Selbst aus dem Wohnhaus nebenan verirrte sich niemand auf den Balkon um mal zu kiebitzen. Das Spiel war vom Niveau eher so im Bereich Kreisliga nach Betriebsfeier. Die Heimmannschaft rannte wie F-Jugendliche geschlossen dem Ball hinterher und es wurde deutlich, warum in 30 Spielen erst 11 Punkte zu Buche standen.

Samstag

Durch die unerwartete Reise nach Slowenien, dauerte der Trip zum Spiel am Samstag statt 4 Stunden nur knapp 1 1/2 Stunden. Durch die Ausreise aus dem Schengen Raum dauerte die Reise ne Stunde länger, weshalb es ohne den spontanen Wechsel wohl eher nicht mehr möglich gewesen wäre den Kracher zwischen Dinamo Zagreb und Hajduk Split zu sehen. Um 12 musste ich ne geschmeidige halbe Stunde anstehen, um mir mein Ticket zu sichern. Gegen 14:30 Uhr, also 30 Minuten vor Beginn, standen ca noch 1.500 Leute wegen Karten an. Bei zwei Schaltern mit Ausweiskontrolle wohl eher unwahrscheinlich, dass alle rechtzeitig da waren. Die Stadt Zagreb hat in etwa die Schönheit einer im glänzenden Sonnenlicht verschimmelnden Käsestulle. Ostblock pur, gepaart mit lächerlich modern wirken wollenden Hochhäusern. Dazu die ganze Stadt voll mit Grafittis des Heimvereins. Unter anderem einer „Dinamo über alles“ Sprüherei, die dann auch für diesen Kick die politische Ausgangslage festgelegt hätte.

Ich würde gern sagen, dass viele Dinge dort Klischees sind und es nicht nur Stiernacken dort gibt, die sich vorm Spiel mal im Park treffen und zu zehnt üben, wie man dem Gegner die Scheiße aus dem Leib prügelt. Nunja, wer sowas sehen möchte. Paar Stunden vorm Spiel durch den Park Maksimir. Ansonsten gute Pubs in Stadionnähe, die von den Bad Blue Boys bevölkert sind und man schlimmer beäugt wird als an der slowenisch-kroatischen Grenze. Das Stadion ist wirklich geil. Für viele der Ort des Beginns vom Balkankrieg, als beim Spiel zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad vor knapp 17 Jahren alles aufeinander einschlug, was laufen konnte und am Ende der Spieler Boban einen serbischen Polizisten umgetreten hat. Für viele ein Held. Unweit des Stadions auch ein Denkmal für die im Krieg verstorbenen BBB.

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Stimmungstechnisch ganz großes Kino von beiden Seiten und als während der zweiten Hälfte erst die Gäste aus Split etwas Feuerwerk machten, anschließend ein paar Stühle anzündeten und die Heimfans mit einem Bengalo/Böller Hagel antworteten, wusste ich, dass dies wohl das geilste Spiel in Kroatien ist. Die Gäste haben 2-0 gewonnen, was unsern Damir Kreilach wohl gefreut hat, denn dadurch ist der Weg für seinen Ex Klub Rijeka frei zum Titel. Videos und Fotos gibt es bei Ultras-Tifo.

 

Nach dem Spiel ging es noch weiter Richtung Maribor, um mal wieder die bekannten Gesichter zu sehen. Fußball gab es auch. Erster gegen Zweiter, was nach 6 Sekunden entschieden war. Maribor war mit reichlich Vorsprung in der Tabelle gesegnet, so dass das Spiel komplett den Gästen aus Domzale überlassen wurde. Ja der Tabellenzweite spielt in dem Stadion von Freitag. Durch diesen Sieg ist Maribor mit 16 Punkten Vorsprung bei 6 Spielen, damit so gut wie Meister. Stimmungstechnisch ist es halt Slowenien, aber es gab immerhin zwei nett anzusehende pyrotechnische Einlagen, weshalb dieser Tag als rundum gelungen zu bezeichnen ist. Nach dem Spiel ging es in eine örtliche Bar, in der es leckeres Union Pivo gab und die Erinnerungen zurück blieben.

 

Sonntag

Ausgefallen wegen Samstag.

Montag

Mit Union in Stuttgart einen hervorragenden Auftritt hingelegt, auch wenn es auf dem Platz nicht ganz gereicht hat. Scheiß drauf. Mehr zu diesem Spiel habe ich hier geschrieben.

Dienstag

Das letzte Spiel einer echt genialen Tour war, wie der Beginn, ein Pokalspiel. Das Halbfinale zwischen Gladbach und Frankfurt. Spielerisch für mich völlig offen und endlich mal im Borussia Park vorbei geschaut, dazu Frankfurt, die ja doch durchaus immer mal für geniale Stimmung bekannt sind. Zu Beginn die Verwunderung, dass es quasi keinerlei Zaunfahnen im Heimbereich gab und wenn dann nur auf dem Kopf stehende. Schnell habe ich auch die Gründe erfahren und kann eigentlich immer noch nur mit dem Kopf schütteln, wie sowas passieren kann. Die Frankfurter dagegen gut drauf und natürlich auch mit allerlei Leuchtmittel ausgerüstet.

img_9930.jpgDas Spiel hingegen war so ansehnlich und spektakulär wie meine Schnürsenkel. Ganz zähe Kost, die die Eintracht in der Verlängerung durch schauspielerische Darbietungen bis zur Kotzgrenze ausreizte. Schon dafür wäre ein plötzliches 2-1 für Gladbach gerecht gewesen. Nunja es kam alles anders und die Eintracht fährt nach Berlin. Der Einzige der es jedoch wirklich verdient hatte nach Berlin zu fahren war ich, wo ich Mittwoch nach 4.705 Kilometern in den zwei Wochen und 7 Ländern auch wieder landete und auf viele geile Spiele, tolle Städte und tolle Erlebnisse zurück blicken kann.

 

Adios

Campi

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3 Kommentare zu “Absturz in Slowenien und Feuer in Zagreb

  1. […] Campi schreibt gerade nicht über den Saisonendspurt von Union, dafür erzählt er, welche Spiele er in der Zwischenzeit gesehen hat: Absturz in Slowenien und Feuer in Zagreb […]

  2. conaro sagt:

    Anscheinend warst Du nur kurz in Zagreb und vermutlich in Novi-Zagreb, was man getrost mit Hellersdorf in allen Belangen vergleichen kann. Ich biete Dir an beim nächsten Mal den durchaus ansehnlichen „Rest“ zu zeigen.
    Herzlichen Grüsse
    Andi (Halbkroate und Unioner)

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