Die gelbe Wand… erledigt! 

Nabend Leute. 

Heute fast vor genau zehn Jahren war am 18.11.06 die Reserve vom BVB bei uns zu Gast. Was kotzten uns diese Mannschaften damals an. Sportliche Wundertüte, weil man nie wusste, wer da aufläuft, meist beschissene Plätze (Platz 11) und schon gar keine Zuschauer. 

An diesem Regionalligaspieltag wollte man gern mal zu den großen. Knapp 10 Jahre später durften wir nun also zu den Profis. Den richtigen Borussen ins große Westfalenstadion. Was waren wir heiß auf das Spiel. Sonderzug um Sonderzug wurde gefüllt und Karten nachbestellt. Das wird ne Invasion und ein Betriebsausflug, wie wir ihn noch nicht gesehen haben. 

Nach wochenlangem Fieber dann schon die erste Ernüchterung. Ein Verein, der sonst zum Revierderby oder internationalen Spielen die Hütte brechend voll hat, schafft es nicht mit dem Zweitligisten Union Berlin fertig zu werden und stellt sich organisatorisch als Kreisligist dar. Das Schlimme daran ist, dass ich während des Hoppens schon in Dortmund war und es exakt die selben Szenen mit den Gästen gab. Leute ihr habt da ein Problem in Dortmund. Arbeitet dran. Ob nun die beschissene B.Z. ihre Aktie daran hält, indem sie vor wahnsinnigen Pyro Infernos warnte, sei dahingestellt. Wahrscheinlich rubbeln sie sich gerade die Hände schmierig, da es wirklich gebrannt hat und sie es in ihrer unendlichen Weisheit wussten. 

Als man so Mitte der ersten Hälfte endlich sein Plätzchen gefunden hatte, wunderte ich mich erstmal über die Aufstellung. Mutig, aber auch sehr schwer ausrechenbar. 

Zum Spiel muss ich glaube ich nichts sagen. Ey Jungs was ihr da heute gezeigt habt, war ein Spielchen von dem man den Enkeln noch erzählen wird und was für mich auf einer Ebene mit dem Finale 2001 steht. So stolz habe ich Niederlagen selten erlebt. So viel Herz, Leidenschaft und Spielwitz. Sensationell. Verdammt wir hatten die am Rande einer Niederlage. In ihrem zu Hause. Ich habe nicht mal im Traum daran gedacht. Das war wirklich eine Leistung, auf die ihr stolz sein könnt und die ich euch nie vergessen werde. Das waren 11 Fußballgötter, ach was 11. Alle! 

Auf den Rängen. Nunja. Nachdem endlich mal alle drin waren, sollten wir der gelben Wand gezeigt haben, wo der Hammer hängt und ich denke die Jungs sind genauso stolz auf uns, wie wir auf sie. Ein verdammt geiler Ausflug mit der geilsten Familie der Welt. 

Kommt alle gut nach Hause und am Samstag machen wir dann Düsseldorf frisch und marschieren weiter, damit wir nächste Saison in Dortmund vollenden, was wir heute um Haaresbreite verpasst haben.

Männer wir sind stolz auf euch! 

Campi 

Folter in Würzburg. 

Hi ihr 3. 

Als Vorspiel für unser Spiel und da mein damals gebrochener Arm mich von diesem Trip abhielt, ging es nach Würzburg. 

Das Positive vorweg. Das Stadion. Stehplätze und oben ohne war schön oldschool. Das die Bude aussieht wie ein Baugerüst, lassen wir dahingestellt. Der Rest dieses Spiels war pure Folter. 

Danke an dieser Stelle an die Fans von 1860, die mit teilweise das Gefühl haben beim Fußball zu sein und nicht mit der örtlichen Gesamtschule auf Klassenfahrt zu sein. Denn irgendwie landete ich im Stimmungsblock. Dachte erst Familienblock oder Hertha Block für Freikarten, in dem die ganzen umliegenden Dorfschulen gekarrt wurden. Dem entsprechend war auch die Stimmung. Sehr sehr peinlich die Nummer und wenn im so genannten stimmungsblock mehr Leute am selfie machen und gackern sind, als am Supporten, hast du eh verloren. Sollten die Jungs vielleicht mal etwas Hygiene im Block veranstalten. Aber erstmal vielleicht Lieder ausdenken. 

Obwohl „Kickers ist der geilste Club der Welt, schade das man dich nicht ficken kann“, schon sehr komisch war. Die Hälfte musste zwar erstmal Wikipedia checken, aber es hatte was. Ganz schlimm auch, wie viele Leute in Gäste Klamotten da durch marschierten. Also so kann das nichts werden. Nutzt die Gelegenheit und schaut euch ein wenig was bei den Gästefans ab, die euch besuchen. 

Spielerisch passte sich das Spiel der Stimmung an und egal wie hoch Union heute verlieren sollte… so sehr wie in Würzburg werde ich wohl nie wieder leiden. 
Ab nach Dortmund! 

Campi 

4 Spiele, 3 Tage, bisschen Pivo.

Nabend ihr drei.

Aus diversen Gründen erst heute wieder, dafür mit 3 in einem.

Beginnen wir Freitag. Von Liberec aus ging es nach ceske budje…irgendwas. Zu deutsch Budweis. Zweite Liga am Abend zwischen dem örtlichen D***** und Prestesjov… oder so. War genau so, wie es klingt. 

Highlight des Tages waren eine Pizza im örtlichen Laden, was in Deutschland wohl eher als Bauschutt durchgeht und die Lehre des Tages war, dass Kurven in Tschechien gern mit 90 genommen werden können, obwohl sie mit 50 ausgewiesen sind, Bahnübergänge die für 70 freigegeben sind, sollten jedoch weiträumig umfahren werden. Muss eine Art TÜV sein in Tschechien. Bleibt die Karre ganz, darf sie weiter. 

Mehr war nicht, deshalb nichts neues am Freitag. 
Samstag ging es dann wieder in fast deutschsprachige Gegenden. Österreich. Genauer gesagt Graz in der Steiermark. Schöne Stadt. Gutes Bier im Stadion. Zumindest besser als die Plörre vom Vorabend. (Puntigamer) 

Sturm mit gutem Support und ordentlich Fahnen im Block. Half aber auch nichts, um gegen den abgeschlagenen Letzten aus Mattersburg einen Rückstand in die Kabine zu nehmen. Warum weiß auch keiner so richtig. Nach der Pause schienen die Schwarzen aus Graz zu führen, doch das vermeintliche 2-1 wurde nicht gegeben. Hat mein Nachbar erst 30 Minuten später gecheckt. Er musste die ganze Zeit seinen Wettgewinn feiern (Tipp zur Halbzeit für mattersburg, aber Graz gewinnt). Irgendwann merkte er es, aber konnte in der 83. doch noch jubeln. 1.200 wohl. Mahnend riet ich nicht vor Ende zu feiern. Ach passiert nichts meinte er…. 96. Minute 2-2. lassen wir so stehen. 

Danach noch Slowenien. Maribor gegen gorica. Das ljudski vrt bleibt einfach ein schönes Stadion und Maribor ist bemüht einen anständigen Support hinzulegen. Gäste waren 7 vor Ort und aus der Bundesliga der ehemalige Kölner Novakovic. Ziel des Spiels, war es eigentlich einen guten Kumpel wiederzusehen und nach dem Spiel flossen noch einige Union Pivo und pfeffi. Nett auch die „oh nur 18 %“ Reaktion auf den pfeffi. Scheint wohl eher unterdurchschnittliches slowenisches Leitungswasser zu sein. Egal war ein steiler Abend in Maribor und deshalb fiel Samstag aus. 

Direkt der Sonntag. Etwas müde ging es nach Wien zum eigentlichen Highlight dieser Reise. Rapid gegen die Austria im neuen Weststadion. Das neue Stadion sieht irgendwie schon geil aus, aber das alte Hannapi hatte einfach Charme und gefiel mir besser. 


Zu Beginn eine schöne Choreo von Rapid um den 75. Jahrestag der deutschen Meisterschaft zu feiern. Die Sprechchöre „deutscher Meister wird nur der SKR“ waren irgendwie merkwürdig. Bei Austria gab es etwas Hass in richtig Rapid und Rauch. 


Das Spiel entpuppte sich schnell als der berühmte selbstgestrickte Pulli, den es zu Weihnachten gibt, obwohl man doch das Fahrrad wollte. Bis zur 25. Minute eigentlich nur Fouls und Geplänkel. Der Schiri war wohl der beste Mann auf dem Platz, alte Rugbyschule und solange nichts gebrochen ist oder blutet, wird nicht gepfiffen. 

Irgendwann gab es Elfer für Austria. 1-0. Halbzeit. Die zweite Halbzeit begann direkt mit dem Nackenschlag für Rapid. Der erste und einzige Angriff von Austria geht rein und es steht 2-0. 

Rapid rannte in der Folge an, aber stellte sich zu dumm an. Als dann irgendwann noch ein Abpraller vom Pfosten aus 3 Metern über das leere Tor geschossen wurde, war klar, dass Rapid heut nicht mal bei Micaela Schäfer einlochen würden. 

So pendelte sich das Spiel gen Ende und über das Spiel gesehen gab es reichlich Pyro, jedoch immer mal eine oder zwei Fackeln, was auch eher nervig war. Wenn dann doch bitte einmal alle, so wie es doch auch in der zweiten Hälfte geklappt hat. 


Bleibt festzuhalten. Stimmungsvolles Derby. Mit schönem Hass auf den Rängen. Inklusive ein paar Schellen, nachdem einige Austria Fans abseits des Gästeblocks über die Tore jubelten. Einem super Schiri, der nem Austria Spieler gelb wegen Zeitspiel gab, als dieser von Bechern und sonstigem Müll beworfen wurde und auf das Gejammer nicht einging. 

Spielerisch würde Union wohl in Österreich um die Meisterschaft spielen. Gruselig, was da geboten wurde. 
Das wars dann erstmal wieder. 

On the road again.

Hallo ihr drei, die das hier auch lesen.

Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Tour und natürlich gibts das tägliche Geschehen zusammengefasst am Abend für die hart arbeitende Bevölkerung. Wo wir schon beim Thema wären. Dank günstigen Dienstplan, konnte schon Donnerstag gestartet werden. Frisch und munter dachte ich, aber es kommt ja immer anders als man denkt.

Also doch eher hektisch nach Arbeit, weil der freie Donnerstag nicht mehr gaz so frei war. Egal. Erste Ziel der Reise, wie so oft, die Heimat der Würste, des günstigen Pivo und, die älteren werden sich erinnern, Dolly Buster.

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Donnerstag ist natürlich Euro League Tag, also wurde sich das Match zwischen dem FC Slovan Liberec und der Fiorentina rausgepickt. Gut im Zeitplan liegend, entschloss ich mich, erstmal im Hotel einzuchecken (im Folgenden Fehler 1 genannt). Ich vergas die stundenlange Prozedur in tschechischen Hotels bei der Registration. Doch irgendwann, nachdem man sämtliche mit Bienchen ausgezeichnetetn Arbeiten der Grundschule notariell beglaubigt vorgelegt hat, beschloss ich mich mein Zimmer aufzusuchen. Fehler zwei. Der Fahrstuhl, gefühlt aus dem Jahre 1603… vor Christi zeichnete sich dadurch aus, dass die Kabine keine Tür hat. Es poltert also die rohe Wand an einem vorbei. Neugierig, ob dem wirklich so ist…. Fehler 3. Natürlich blieb der Fahrstuhl stecken, denn die Neugier ging durch die Lichtschranke, die den Fahrstuhl abschaltet. Die Rezeptionistin meldete sich gleich mit nem Tonfall a la „na haben wa rumgespielt“ und erklärte die Prozedur zum erneuten Anfahren.

Mittlerweile ist aus, wir liegen gut in der Zeit, ein boah Scheiße geworden. Also schnell raus aus der Bude, Geld abgehoben und Taxi geschnappt… Nachdem mir der Mann die kleine Touriführung durch Liberecs schönste Gassen, Nebenstraßen und Umfahrungen gegönnt hat, bezahlte ich die umgerechnet 4 Euro… Natürlich war mein Schein zu groß und er konnte nicht wechseln. Taschenspielertrick. Mit Karte zahlen dauerte anschließend auch nut ca 3 Stunden.

Im Stadion dann ein gutes Match zwischen zwei munter spielenden Mannschaften, in dem die Gäste effektiver waren und irgendwie verdient 3-1 vor guten 9.000 Zuschauern gewannen. Stimmung war sehr ordentlich. Vor allem Florenz hatte nen schönen Zaun und guten Support. Gegen Ende jedoch auch ne Fahne weniger, da die örtlichen Kids wohl eine Fahne der älteren Generation von der Haupttribüne entfernten.

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In diesem Sinne gute Nacht.

 

Campi

 

 

 

 

Das große Mauern. England gegen Slowakei 

Hallo Leute. 
Heute mal einen Tag später, da gestern Reisetag war. Am Montag stand mein persönliches Highlight an. Die Three Lions in Saint Etienne gegen die Slowakei. 

Sehr frühzeitig angereist und diesmal ohne jeglichen Stau (eine neue Route sei dank) ging es zum mittlerweile doch bekannten Stade Geoffrey Guichard. Am Stadion alles voll mit Engländern, die alles verkörperten, was man an diesem Volk mag, wenn man denn möchte. Die berühmten Plastikwampen, Ritterkostüme, Fahnen ohne Ende, Gesänge und und und. Da es mittlerweile keinen Alkohol mehr um die Stadien gibt, sind die Engländer nun auch schon voll wie die indische Bundesbahn, wenn sie am Stadion ankommen. Mein Nachbar toppte alles, als er nicht nur die Lieder aus der Stadionanlage mitgröhlte, sondern auch die Durchsagen mitsang. Großer Sport! 

Doch so besoffen die Engländer auch sein mögen, machen sie nicht jeden Scheiss mit. Als die Animateurin auf dem Feld zu ihrer berühmten „Laola Challenge“ anfeuerte (hierbei steht jeweils ein Hampelmann vor der Kurve und es wird gekämpft, wer die beste Laola kann), wurde sie von den Engländern gnadenlos ausgebuht und sie sangen „Footballs coming Home“. Resultat war, dass diese challenge abgebrochen wurde. 

Natürlich kam auch spiel 6 nicht ohne die David Guetta Folter aus, der wohl irgendwann einmal mal auf sein Mischpult gefallen ist und die Töne einer gequälten Ziege entstanden. Herr Erdogan weiß da sicher mehr. 

Spielerisch war das sehr ansehnliche, was England brachte. Doch hier zeigte sich der Schwachsinn des Modus. Einen Punkt ernähren und das Achtelfinale lockte. Anders ist die 6-2-1-1 Taktik der Slowaken nicht zu deuten und so gab es im slowakischen Strafraum mehr Beton, als auf einer sizilianischen Familienfeier. 29-4 Torschüsse sagen alles. Wie so oft im Turnier wird das belohnt und es blieb 0-0. großartig war jedoch die Stimmung und das entschädigte für das maue Ergebnis. Allein die Hymne sorgte für Gänsehaut, dass ich dachte das Trikot geht kaputt. 

Die Engländer dürfen nun in Nizza weiter machen, was mir gehörig auf den Sack geht, da ich in Paris angekommen bin. Naja kann ich mir ja Wales angucken… Und da sich auch noch die Spanier aus „meinem“ Achtelfinale verabschiedet haben, ist die Grundstimmung in etwa sieben, als wenn wir im Pokal nach Duisburg müssten…. Ups, wenn es läuft, dann aber auch richtig.

Gestern stand dann das Spiel von Jogis Jungs auf dem Plan. Doch dank einer gefühlten Fahrzeit von 3 Tagen durch Paris, um überhaupt erstmal im Hotel anzukommen, wurde daraus nichts. Hier sind die Sicherheitskontrollen sehr spürbar und es macht keinerlei Spaß. Auch Paris ist völlig überbewertet, bzw könnte schön sein, wenn ca 3-4 Millionen Menschen weniger hier wären. 

Somit bleibt der Trip nach Paris wohl ohne Stadionbesuch, denn ob es heute in Saint Denis besser wird, darf bezweifelt werden. Ich werde mir nun noch ein bisschen die Umgebung angucken und meine Nachbarn besuchen, die hier auf der Straße ihre Kochplatten aufgebaut haben. Oder die Feuerwehr, die auch nachts sehr tüchtig ist, wie ich an den Einsätzen hörte. Oh Paris du bist toll…. Nicht 

Au revoir 

Campi 

Balkanfieber. Rumänien – Albanien 

Hallo liebe Freunde. 

Nachdem am Samstag pausiert wurde, gab es Sonntag Abend einen echten Leckerbissen. 

Samstag wurden jedoch erst einmal Land und Leute näher kennen gelernt. Warf diverse Fragen auf. Unter anderem, wogegen der Franzose hier so lautstark demonstriert. Bei Öffnungszeiten im Einzelhandel von 8:30 – 19:30 würden die Deutschen wahrscheinlich mit Tränen in den Augen auf die Knie sinken. Die Küche des Landes ist so ein weiteres Highlight. Mittag gibt es meist erst ab 18:00 Uhr und zwischen 12 und 15 Uhr (+/- ne Stunde) haben die meisten Restaurants eh zu. Wahrscheinlich erstmal Mittag… Wo auch immer. Gibt es denn endlich Essen erinnert die Karte eher an eine Mutprobe aus der Grundschulzeit (komm kriegst ne Mark, wenn du die Schnecke/ den Frosch oder sonstige Weichtiere isst), wohl aus diesem Grunde habe ich seit ein paar Tagen Eidechsen vor meinem Zimmer. Spricht Bände, wenn die sich lieber bei dem Dicken andiedeln, als bei den französischen Nachbarn. 

Der Sonntag startete kulinarisch eindrucksvoll mit abgepackten Sandwiches von der Tanke, denn über Öffnungszeiten sprachen wir bereits. 

Das abendliche Spiel klang dann eigentlich eher wie die Anmoderation von „Aktenzeichen XY“.. Rumänen gegen Albaner. Was durch die Tabellenkonstelation durchaus heiß zu werden schien. Im Stadion selber war es kurz gesagt eine albanische Invasion. Bei den knapp 50.000 Zuschauern in Lyon würde ich locker auf 70% Albaner tippen, also so mindestens 35.000. 

Diese 35.000 Albaner stellten für mich auch zwei neue Rekorde bei dieser EM auf, wobei einer davon wohl für alle meine bisherigen Spiele gilt. Das Land hat noch nie ein EM Spiel gewonnen und war demnach auch Außenseiter. Die Rumänen für mich klarer Favorit, weil sie bisher auch recht unglücklich die Punkte liegen ließen.  

Doch von Beginn an waren die Albaner Chef im Ring und haben auch verdient gewonnen. Spieltische Limitiertheit wurde mit Herz und Leidenschaft kompensiert, wogegen die Rumänen nie ein Mittel fanden. Der Jubel nach dem 1:0 war wohl die bisher lautstärkste Eskalation, der ich beiwohnen durfte. Nun lag mein Platz auch günstig in der albanischen Kurve, doch ich denke, dass manche Länder bei weitem nicht so sehr ausflippen bei Toren oder gar Titeln. 

Der zweite Rekord war der Geruch. Von Beginn an hing über dieser Kurve, hier erwies sich der Platz als sehr ungünstig, ein Geruch der eine Mischung aus Schweiß, irgendwas süßlichem und Mottenkugeln glich. Jogi Löw hätte den durch jahrelanges Training der Spürnase sicher besser identifizieren können. Aber das war schon echt n sehr intensives Ereignis für die Sinne. 

Dazu gab es mal wieder Böller und Pyro, was man eben so erwartet bei Ländern vom Balkan, aber die Sicherheitsmaßnahmen in Lyon sind und bleiben ein Witz. Nach mittlerweile 3 Spielen in dieser Hütte, wurde ich nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise gründlich kontrolliert. Da ist es in Saint Etienne, auch wenn die Kroaten da vor 3 Tagen ein bisschen Fasching gefeiert haben, wesentlich strenger. A propos Saint Etienne, die Vorfreude startet ins unermessliche. 

Bis bald dann. 

Campi

Krawalle oder Protest? Kroatien gegen Tschechien.

Hey Freunde. 

Gestern stand das erste osteuropäische Duell auf dem Plan. Tschechien gegen Kroatien. Historisch gesehen, stand dort sogar ein ehemaliger Titelträger auf dem Platz. Herr Panenka und Herr U. Hoeneß werden sich erinnern. Gerüchten zufolge wird der Elfmeter von Herrn Hoeneß nächste Woche am Belgrader Boden zurück erwartet. 

Heute ist nicht mehr viel Glanz übrig bei den Tschechen, die über Jahre herausragende Techniker wie Pavel Nedved ihr eigen nennen können. Heutzutage ist es ein in die Jahre gekommener Tomas Rosicky. Bei den Kroaten ist dort mit Rakikic und Modric deutlich mehr Potenzial.  

Die Anreise war wie immer der Horror in Saint Etienne und Höhepunkt war die Durchfahrt durch den kroatischen Fanmarsch. Jubel, Trubel, Heiterkeit und es wurden mir diverse Selbstgebrannte ins Auto gereicht. Kann aber auch Benzin, Farbverdünner oder Lack gewesen sein. Roch in etwa nach einer Mischung aus allem, was den Darm die nächsten Monate wegätzt. Oder der Kroate hat keinen Darm. Einzige positive Erscheinung war, dass endlich mal Autos auf der Autobahn fuhren und nicht diese Kisten, von denen Franzosen denken, sie seien Autos. Ach und hat den Franzosen eigentlich noch niemand erklärt, was ein Blinker ist? Entweder ist der permanent an oder nie. Aber egal. Darüber vielleicht ein anderes Mal mehr. 

Im Stadion selbst auch super Stimmung und eine kroatische Mannschaft, die den Tschechen keine Chance ließ. Als es nur noch eine Frage war, ob die Kroaten drei, vier oder fünf zu null gewonnen, stand es auf einmal 2:1 und die schon abgeschrieben Tschechen waren auf einmal wieder wach und giftig, wie ein Engländer, wenn irgendwo Freibier gerufen wird. 

Und als den Tschechen gerade die Zeit abzulaufen schien, passierte das, was in den Medien wieder mal zur unreflektierten Hetzjagd ausartete. Zu allererst ist es Scheiße mit Böllern zu schmeißen oder anderen die Jacke vollzuhauen. Die Pyros gehören auch nicht auf den Rasen. Jedoch haben die Kroaten die Dinger gestern angemacht und sofort auf den Rasen. Unüblich, was also Fragen aufwirft. 

Die Kroaten leiden seit einiger Zeit unter massiven Schikanen und Unterdrückungen seitens des Verbandes. Die korrupten Männer dort sind auch völlig taub gegenüber Protesten und anderen friedlichen Aktionen. Da wird dann mit Gewalt, Sanktionen und Ignoranz geantwortet. Bei dinamo Zagreb beispielsweise hat die komplette Kurve Hausverbot. Wie kann man dieses korrupte, taube und machtgeile System also angreifen? Indem man sie auf größer Bühne attackiert und sie dort trifft, wo es weh tut. Das war gestern der Fall und ich hoffe für die Kroaten, dass das kein Eigentor wird. Ich möchte das nicht rechtfertigen, aber ich habe vollstes Verständnis für die Aktion, bis auf den Böller. Also verurteilt die Kroaten nicht vorschnell, sie kämpfen nur für den Fußball, der ihnen von korrupten Funktionären genommen wurde und den wir alle so lieben. 

Danach, kam es wie es kommen musste und die Tschechen nehmen nen Punkt mit und wissen selber nicht warum. 

Grüße aus Macon 

Campi